Websites nur noch für Smartphones?

Beim Recherchieren stoße ich im Internet immer häufiger auf chaotische Websites, die total der aktuellen Vorstellung einer optimalen Smartphone Darstellung untergeordnet sind. Man sieht große Bilder im Querformat, sinnlose Sogans und findet nur mühsam die gesuchten Infos. Das Abfragen von technischen Daten von Programmen oder Geräten wird immer komplizierter, weil man sich im Wirrwarr dieser Unterhaltung-Websites kaum noch zurechtfindet. Dieser Trend ist absolut nervig. Möchte ich beispielsweise bei Olympus einen Überblick über die Objektive und ihre Daten bekommen, komme ich auf der Website gar nicht erst soweit, weil mir ein Fotograf mit seinem Bild aus Asien präsentiert wird nebst mehreren lobenden Aussagen über die Objektive und weitere Ablenkungen. Wen interessiert so etwas? Schnell weg!

Die Website von Kolor, einem Entwickler von Panorama Software, ist somit das Grausamste an Software Präsentation, was ich bisher erlebt habe. Wieso wurde die einst informative und übersichtliche Seite über Bord geworfen?

Oder PayPal. Dort muss man auf der Eingangsseite mit allem rechnen, beispielsweise mit einem Film. der zeigt, wie Kaffee aus einer Kaffeemaschine fließt. Aktuell steht eine Gruppe von jungen Leuten lachend auf einem Hausdach, hält die Hände auf und man guckt nach oben. Von dort regnet es kleine bunte Papierstücke. Dazu der Slogan: „Das neue Geld ist da.“ Total plemplem.

Offenbar soll alles zur Unterhaltung der Smartphonenutzer beitragen. Da man aber auf diesen kleinen Displays vieles gar nicht vernünftig und strukturiert darstellen kann, hat sich ein Stil entwickelt, die man nur noch als chaotisch bezeichnen kann.

Zitat: Ausschnitt aus der Olympus-Website
Zitat: Ausschnitt aus der Olympus-Website

Möchte man auf der Website fotograf.de etwas über die Dienstleistungen und Kosten erfahren, öffnet sich wieder eine für Smartphones optimierte Website. Man kommt gar nicht zum Lesen der Infos, sondern scrollt nahezu willenlos nach unten, um dann doch verdutzt zu stoppen. Unter der Überschrift, „Wer steckt dahinter?“, sieht man eine Reihe Kinderfotos mit Namen und Positionsangaben bei fotograf.de. Was sollen sich die Rezipienten beim Anblick dieser Kinderfotos denken? „Ach, wie süß.“ ?? Meine Meinung dazu möchte ich öffentlich nicht äußern.

Wie machen es die ganz Großen? Rufen wir mal die Website von Canon auf. Ein junger Mann mit Jimi Hendrix Frisur und zusammengekniffenen Auge blickt durch eine Spiegelreflexkamera. Darunter steht „Mit der Action mithalten.“ und ein Cookie Banner möchte das man auf den Button ‚Fortfahren‘ klickt.

Man scrollt weiter und sieht irgendwelche irgendwie engagierten Leute. Dazu Begriffe wie: Consumer, CashBack & Promotions, Business Service, Promotions, Produkt-Support, FAQ, Registrierung, Imaging, Digital Consumer Service, innovativ, strategisch, Nachhaltigkeit, Umwelt und Recycling, Come and see.

Bis sich das Gehirn gegen dieses Wirrwarr aus Bildern und zuschnappenden Infos wehrt, hat man beinahe vergessen, was man eigentlich auf der Seite nachsehen wollte.

Wie sieht es auf der Seite der Bundesregierung aus? Auch dort ist alles smartphonig quer gehalten und beginnt mit einem Foto nebst Links zu einigen Beiträgen: „Millionen-Soforthilfe für Milchbauern, Neuregelungen zum Mai/Juni 2016, 100 Jahre Schlacht von Werder-Merkel: Erinnerung auch künftig wachhalten.“

Darunter gibt es etliche weitere Felder mit weiterführenden Links zu Beiträgen. Ich kann kaum glauben, dass jemand, der die Seite der Bundesregierung besucht, dies tut, um dort magazinartige Artikel zu lesen. Sollte am Anfang nicht eine generelle Information über die Bundesregierung stehen nebst einem übersichtlichen Index zu den wichtigen Kategorien?

Es scheint fast, als ob diejenigen, die Websites machen, nach getaner Arbeit vor der Frage stehen, wie es weitergeht. Und sie machen irgendwie weiter, vermutlich im Sinne des Erhalts ihrer Arbeitsplätze, aber  nicht mehr im Sinne einer guten Information, sondern als Redakteure von Websites mit Unterhaltungs-, bzw. Ablenkungsprogramm für Menschen, die von einer Info zur nächsten gestoßen werden, aber nicht mehr für diejenigen, die gezielt nach bestimmten Informationen suchen.

8.7.2016 Nachtrag:

Mobile Design. Bildzitat: WAZ
Mobile Design. Bildzitat: WAZ

Ganz gräßlich ist das Aussehen der WAZ auf dem 19″ Display. Der Content befindet sich in einer schmalen mittigen Spalte. Hier wird die Mobile-Philosophie auf die Spitze getrieben. Wozu? Haben die keine Programmierer, die das Erscheinungsbild responsiv gestalten können, damit es sich im gewissen Rahmen der Bildschirmgröße anpasst?

2 Gedanken zu „Websites nur noch für Smartphones?

  1. Der Smartphone Kult ist tatsächlich seltsam, da es parallel dazu immer größere und besser auflösende Displays im Büro und im heimischen Bereich gibt. Gerade bei hochwertigen Produkten ist es doch unwahrscheinlich, dass die ernsthafte Information und der Kauf über Smartphones stattfinden. Ich kann den Standpunkt von Thomas Gade gut nachvollziehen, denn aus meiner Sicht ist das Smartphone vor allem zu Kommunikation, als Notizbuch, Kamera und für Infos über das Wetter etc. super geeignet. Eine anständige Vergleichstabelle und tiefer schürfende Darstellungen kann man erst ab dem Tablet darstellen. LG Zarah

  2. Kennt ihr die Software ThumbsPlus? Damit verwaltet man Fotobestände, die sehr umfangreich sein können. Mit ThumbsPlus übernimmt man die Betextung der Bilder etc.

    Kommentar auf Facebook zur Version ThumbsPlus 10 von Greg Summers: „Mobile App – we need a Mobile app – please – love Thumbs+“

    Äh, wie bitte? Jemand möchte eine solche Bildverwaltung auf einem 5″ Display laufen lassen?

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    Hinweis der Redaktion: ThumbsPlus

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