Digitale Spiegelreflexkameras in der Amateurfotografie

Das erste Jahrzehnt. 2003 bis 2013

2003 brachte Canon die digitale Spiegelreflexkamera EOS 300D auf den Markt. Nikon folgte im Frühjahr 2004 mit der D70. Diese Kameras hatten Aufnahmesensoren mit 6 Megapixeln. Sie waren etwa halb so groß wie das herkömmliche 24x36mm Filmformat. Während professionelle Pressefotografen längst mit teuren digitalen Kameras Fußballspiele und sonstige Ereignisse verfolgten, war die Resonanz bei den ambitionierten Fotografen und Künstlern verhalten. Die Qualität des 35mm Film galt als unerreicht. Digitale Technik war teuer und problematisch.

2004 brachte Nikon noch eine neue analoge Kamera für Profis raus, die Nikon F6, welche die Tradition der legendären Nikon F2, F3 und F4 fortsetzen sollte. Doch die wahren Hits waren die ersten 6-Megapixel DSLRs, die mit einem Objektiv knapp 1000 Euro kosteten. Die Neugierde und Skepsis war unter den gestandenen Amateurfotografen groß. Wer einen Din A4 Ausdruck aus einem guten Drucker zu sehen bekam, musste zugeben, dass die Vorbehalte nicht gerechtfertigt waren. Die gesamte Technikkette von der Kamera über den PC bis hin zum guten Inkjetdrucker war verfügbar und in finanzieller Reichweite für viele, die bislang ihr Geld in teure Fotopapiere, Filme und Chemikalien investiert hatten.

Erfreulicherweise hatten einige Kamerahersteller darauf geachtet, dass die bereits vorhandenen Objektive der analogen Kameras weiterhin verwendet werden konnten.

Digitale Pentax K20 mit einem Pentax SMC-A 1,4 / 50mm
Digitale Pentax K20 mit einem Pentax SMC-A 1,4 / 50mm

Digitale Pentax K20 mit einem Pentax SMC-A 1,4 / 50mm Objektiv aus der Zeit der analogen Fotografie.

Pentax DSLRs sind mit allen Objektiven mit einem K-Bajonett kompatibel. Es wurde 1975 als Nachfolger des M42-Schraubgewindes eingeführt. Seitdem wurden verschiedene Varianten mit zunehmender Anzahl von Kontakten für den Autofokus und zur elektronischen Blendensteuerung eingeführt. Um die Blendenwerte zwischen der Kamera und modernen Objektive zu übertragen, sind elektrische Kontakte notwendig, die mit den PK-A Anschlüssen an den SMC-A Objektiven 1983 erstmals aufkamen. Die davor gebauten Pentax-K Objektive sind nur mit Einschränkungen verwendbar. Zahlreiche Objektive aus der Zeit vor der Digitalfotografie liefern mit modernen digitalen Spiegelreflexkameras hervorragende Bilder.


Evolution oder Revolution?

Die ‚Digitalisierung‘ der Fotografie eröffnete neue Entwicklungsmöglichkeiten für diese Technologie. Dazu gehören insbesondere die Bearbeitungsmöglichkeiten für Dateien. Was früher im Fotolabor mit Chemie, Tricks, Montagen etc. angestellt wurde, übernahm die digitale Bildbearbeitung.

In der digitalen Dunkelkammer werden Tonwerte, Kontraste und Farben korrigiert, Fehler retuschiert, Störungen (Rauschen, ähnelt dem ‚Korn‘) beseitigt und aus mehreren Bildern automatisch Panoramaaufnahmen erstellt. Perspektivische Verzerrungen werden mit wenigen Mausbewegungen beseitigt sowie kissen- und tonnenförmige Verzerrungen, Vignettierungen etc.

Shake Reduktion

Einigen Kameraherstellern gelang das Kunststück, eine Verwacklungskompensation (auch: Bildstabilisierung, Shake Reduction, …) in die Kameras einzubauen, indem sie die Aufnahmesensoren beweglich aufhängten. Während der Aufnahme wirken sie dem Zittern des Fotografen durch eigenes Wackeln entgegen. Mit der Funktion ‚Shake Reduction‘ kompensiert die Kamera Bewegungen während der Aufnahme. Das Verwackeln der Bilder wird damit reduziert, nicht jedoch die Bewegung der Motive.

Die nachstehenden Bilder wurden in der späten Abenddämmerung nach Sonnenuntergang aufgenommen. Die Belichtungszeit betrug 1/4 Sekunde. Das Bild ohne die Bildstabilisierung verwackelt. Aus der freien Hand war es mit der ‚Shake Reduction‘ möglich, ein befriedigend scharfes Bild aufzunehmen.

Verwackeltes Bild ohne Shake Reduction
Verwackeltes Bild ohne Shake Reduction
Unverwackelt mit 'Shake Reduction'
Unverwackelt mit ‚Shake Reduction‘

Parallel zu dieser Entwicklung bauten die Objektivhersteller zunehmend optische Bildstabilisatoren (OIS – optical image stabilisation) in ihre Objektive ein.

Auflösung

Die ersten Consumer DSLRs hatten Sensoren mit 6 Millionen Pixel. Inzwischen sind 16 bis 24 Millionen Pixel üblich. Mehr Pixel bedeuten nicht in jedem Fall, dass Bilder qualitativ besser werden. Je mehr Pixel sich auf einer gleichgroßen Fläche befinden, desto höher sind die Anforderungen an die verwendeten Objektive und der digitalen Technik an sich.

Das notwendige Auflösungsvermögen zur Nutzung von kleinen Sensoren mit über 10 Millionen übersteigt die optischen Möglichkeiten vieler Objektive. So kann eine ältere Optik mit der 6 Millionen Pixel Kamera hervorragende Bilder erzeugen und an der 10 Millionen Pixel Kamera Grund zur Annahme geben, es sei nicht in Ordnung. Übliche Objektive lassen sich bis Blende 22 oder gar 32 einstellen. In der Digitalfotografie kann die Lichtbeugung an den Lamellen der Blende zu ungewünschten Farbeffekten führen, die beim Film keine bedeutende Rolle spielten.

Grundsätzlich ist die Steigerung der Pixelmenge zu begrüßen, wenn im gleichen Maße die technischen Fähigkeiten der Objektive mitentwickelt werden und/oder die Sensorfläche vergrößert wird. Dieser Umstand konfrontiert anspruchsvolle Fotografen mit neuen Investitionen in relativ kurzen Zeitabständen, um auf dem besten Stand der Technik zu bleiben. Zudem ist die Menge der auf der winzigen Sensorfläche vorhandenen Lichtrezeptoren nicht beliebig zu steigern. Eine Verdichtung erzeugt physikalische Probleme, beispielsweise das unerwünschte ‚Rauschen‘, das der Fotograf im Bild wahrnimmt, wie das Korn des Films. Die feinkörnigen niedrigempflindlichen Filme ließen sich stark mit feinen Details und geschlossenen Tönen vergrößern, während Abzüge von hochempfindlichen Filmen schon beim 18×24 Abzug eine störende Körnung aufwiesen. Beim Sensor mit variabel einstellbarer Empfindlichkeit verhält es sich ähnlich. Im unteren ISO-Bereich sind die Auflösung und Signale am besten und werden beim Steigern der Empfindlichkeit qualitativ schlechter. Mittlerweile (September 2013) muss man den Herstellern große Erfolge beim Umgang mit diesem Effekt zusprechen. Wir fotografieren heute lässig mit ISO 800 bis 3200 ohne dramatische Qualitätseinbußen. Die Kameras können auf viel höhere Empfindlichkeiten eingestellt werden.

Denken wir mal zurück: Mit dem Film Ilford XP2 waren 800 ASA noch in guter Auflösung und ordentlichen Tonwertverläufen machbar. Der alte Tri-X Pan, über viele Jahre der 400 ASA Schwarzweißfilm schlechthin, war gegenüber der heutigen Technik minderwertig. Aber ISO 1600 oder 3200? Filme waren damit überfordert.

Folgekosten

Die digitale Fotografie ist wegen des Wegfalls der Kosten für Filme und ihre Entwicklung bislang nicht billiger als die herkömmlichen Verfahren. Den Platz der Dunkelkammer, Negativalben und Diakästen haben leistungsfähige Computer mit hoher Speicherkapazität, gutem Monitor, externe Festplatten, Brenner, Rohlinge und Drucker nebst Software eingenommen. Der technologische Fortschritt seit dem Durchbruch der digitalen Fotografie war enorm. Die Zeit eines digitalen Produktes im Markt ist relativ kurz und die Entwicklungsschritte haben nur wenige Jahre alte Technik rasch zum alten Eisen erklärt. Investitionen werden in kürzeren Zeitabständen vorgenommen.

Auf diversen Gebieten ist mittlerweile eine Abkühlung eingetreten. Für viele Arbeitsflüsse ist es praktisch unbedeutend, ob man mit Photoshop CS3 oder CS6 arbeitet. Die Entwicklung von RAW-Dateien ist ausgereift. Alle Bildprogramme beherrschen mindestens die 16-Bit Verarbeitung. Seit 2000 gibt es Farbdrucker, die auch heute noch beste Ergebnisse produzieren. Die Computertechnologie hat längst einen Stand erreicht, der keine praktischen Grenzen mehr setzt. Speicher und Rechenkapazität sind sehr billig geworden.

Die digitalen Spiegelreflexkameras bieten noch Potential zur Weiterentwicklung. Die Käufer haben die 6 Millionen Pixel (MP) Geräte gekauft, danach die 10 MP Gehäuse und sind nun bei 16 bis 24 MP gelandet. Eine weitere Steigerung wird keinen Hype mehr auslösen, der zum raschen Abverkauf von teuren Modellen führt. Mehr Auflösung ist nicht wirklich notwendig, wenngleich das mikroskopartige Hineinzoomen in ein Bild bis zur Auflösungsgrenze interessant ist. Wirklich genutzt wird das aktuelle Potential der Auflösung weder beim Betrachten auf hochauflösenden Bildschirmen noch für Abzüge, die Din A3 groß sein müssten, um mit scharfem Auge die Grenzen der Technik festzustellen. Die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit bei hoher Bildqualität sowie die Verbesserung der Videofunktionen sind wichtiger.

Zudem ist das Problem der allmählichen Verschmutzung des Sensors nicht zufriedenstellend gelöst. Der Fachhandel sollte hier mit einem effektiven und preisgünstigen Serviceangebot Abhilfe leisten und seine Kunden wieder in die Geschäfte locken. Eine Reinigung, die 10 € kostet und spontan verfügbar ist, wird in Anspruch genommen. Das Einschicken der Kamera zum Service mit mehrwöchigem Zeitaufwand und hohen Kosten (derzeit rund 60 €) entspricht einer hohen Hemmschwelle.
Die Spiegelreflextechnik steht vor einem bedeutenden Wandel, der mit dem Wegfall des Schwingspiegels einhergeht. Solche Systemkameras gibt es bereits. Ihr optischer Sucher wurde durch einen elektronischen ersetzt. Sobald dieser hinsichtlich seiner Auflösung und Reaktionsgeschwindigkeit nicht mehr vom optischen Sucher zu unterscheiden ist, wird er in zukünftigen Modellen die komplizierte Technik aus einem beweglichen Spiegel, der Mattscheibe und dem Prismensystem verdrängen.

Dateiformate

Unter alle den verfügbaren Dateiformaten hat sich JPG im sRGB Farbraum als Standard durchgesetzt. Es gibt Gründe, die dafür und dagegen sprechen, aber die Diskussion ist abgeschlossen.

Daneben gibt es die RAW-Formate der Kamerahersteller. RAWs sind Bilddateien, die nicht oder nur geringfügig seitens der kamerainternen Software bearbeitet werden. Daher nennt man sie Rohdateien. Sie sind in speziellen Programmen zu ‚entwickeln‘. Der Spielraum zur Tonwertebearbeitung ist höher als beim JPG. Dabei entsteht eine Kopie im JPG oder TIFF (oder anderem) Format.

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