Blue Screen

2012 war das Jahr des blauen Bildschirms, der gemäß früheren Verlautbarungen von Microsoft längst der Vergangenheit angehören sollte. Insgesamt haben sich sechs verschiedene Computer in meinem Haushalt befunden. Sie alle stammten von renommierten Markenherstellern wie HP und Dell. Sie wurden mit Betriebssystemen von Microsoft versehen. Ich habe Windows XP, XP64, Windows7-64 und sogar Windows 2000 ausprobiert. Es handelte sich um Datenträger vom Hersteller oder um gekaufte Versionen mit gültigen Seriennummern. Und immer wieder geschah es, dass die Computer ausfielen. Der Blue Screen mit irgendwelchen Meldungen, die keinerlei Auskunft über die tatsächliche Ausfallursachen und möglichen Lösungswege beinhalteten und inhaltlich im Grunde unverständlich waren, hat mich manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht.

Vor einer Stunde habe ich einen weiteren Laptop von Dell bestellt und den Verkäufer um einen raschen Versand gebeten. Die Vorfreude ist gering. Nach den bisherigen Erfahrungen wage ich kaum zu hoffen, dass das Notebook besser laufen wird.

Wenn eine Lampe nicht funktioniert, prüfen wir, ob die Gebühren durchgebrannt ist, oder ob die Sicherung raus geflogen ist. In der Regel erkennen wir schnell, was los ist und können rasch für Abhilfe sorgen. Bei Computern ist das nicht so. Diese Geräte sind eine Kombination aus vielen Hardwarekomponenten und sehr viel Software von diversen Herstellern, mit Diensten und Funktionen, die wir nicht überblicken können. Die technische Umgebung der Computer besteht aus Stromquellen für die unterschiedlichen Geräte, dem Drucker, dem Display, Netzwerkverbindungen per Kabel oder ohne, Router, drahtloses Komponenten, mobile Wechselspeicher und mehr. Wer soll diesen Mix aus verschiedenen Dingen vernünftig koordinieren? Wir verlassen uns auf Betriebssysteme und Treiber. Aber auch die Hardware muss zueinander passen und wenn etwas nicht funktioniert, beginnt das Spekulieren. Was könnte es sein, was muss ich tun, was muss ich kaufen, wie viel Zeit muss ich aufwenden, um eine Problematik zu lösen? Wird es überhaupt gelingen?

Die letzte Frage kann ich für dieses Jahr beantworten. Nur ein Computer läuft einigermaßen zuverlässig. Ein Programm weigert sich seit einigen Tagen, einen programmierten Filmschnitt durchzuführen. Laut der Fehlermeldung liegt das an der Unmöglichkeit des Zugriffs auf die Ursprungsdateien, doch die liegen da, wo sie sein sollen und sind allesamt zu öffnen, sogar von dem Schnittprogramm während des Sortierens und Eingaben der Schnitte. Verstehe das, wer will, ich kann es nicht. Aber ansonsten funktioniert das Gerät gut.

Blue Screen. Was sagt uns diese Fehlermeldung?
Blue Screen. Was sagt uns diese Fehlermeldung?

Alle anderen haben Macken oder sind praktisch nicht brauchbar aus Gründen, die nicht nachvollziehbar sind. Die Stunden, die ich damit zugebracht habe, in Foren und Blogs nach Lösungen zu suchen, mag ich gar nicht zählen. Auch möchte ich nicht darüber nachdenken, wie viel Geld von kleinen zweistelligen bis größeren dreistelligen Beträgen in diese Technik geflossen ist, ohne ein brauchbares Ergebnis, also eine Zufriedenheit über die Verfügbarkeit einer verlässlichen Technik, zu bringen.

Zum Jahresende werde ich mich von vielen Computerteilen trennen. Ich werde sie bei der Berliner Stadtreinigung entsorgen und gar nicht erst den Versuch unternehmen, sie über Kleinanzeigen für angemessene Beträge loszuwerden, denn selbst bei kleinen Artikeln für wenig Geld wird sich jemand melden, der weit weg wohnt und eine Abwicklung über einen Versand erwartet. Nach all der Zeit, die ich in die Computertechnik gesteckt und für viele andere wichtigere Dinge verloren habe, mag ich nicht noch mehr Zeit in E-Mail-Korrespondenzen und Versandaktionen für kleines Geld investieren. Jeder Hartz IV’er erhält in einer Maßnahme vom Jobcenter einen höheren Stundensatz als ich ihn für die vielen Stunden des Rumfummels an der Computertechnik erwarten kann. Ich weiß, dass solche Stundensätze nur bei 1 bis 1,50 € liegen! In meinem Fall kann ich von einer negativen Entlohnung sprechen, da mir die Gewinne aus produktiver Arbeit verloren gingen, weil die alternativ für die Computer verwendete Zeit häufig kein Ergebnis brachte.

Ich habe mit Bekannten über die Situation diskutiert. Der Kreis meldete erstaunlich viele Computerausfälle. Insbesondere bei  Personen, die gerne YouTube-Filme sahen oder in den Online-Medien der Verlage Beiträge lasen. Im Internet kursierten in diesem Jahr diverse Berichte über Abstürze beim Gebrauch des Browsers Mozilla in Kombination mit Adobe Flash, das benötigt wird, um verschiedene Internetinhalte anzuzeigen. Aber ein klarer Zusammenhang damit war schon deswegen nicht gegeben, weil ich bereits während oder kurz nach Aufsetzen von frischen Betriebssystemen und ihrer Konfiguration mit dem Blue Screen konfrontiert wurde. Eigentlich kann ich deswegen nur echte Hardware-Ausfälle vermuten. Doch so richtig logisch ist auch das nicht, denn manchmal funktionierten die Computer temporär ganz gut. Ich habe die Lüfter der PCs mehrfach gestaubsaugt, die Geräte sauber gehalten, die Verbindungskabel geprüft, versuchsweise Komponenten ausgetauscht oder durch neue ersetzt. Das nützte nichts, die Technik blieb insgesamt instabil.

Das Jahr 2013 steht vor der Tür und viele Menschen nutzen den Jahreswechsel zum Formulieren ihrer persönlichen Wünsche. Eigentlich bin ich gegen solche Anwandlungen immun, aber dieses Mal werde ich neben dem Punkt Gesundheit, den ich hoch bewerte, gleich den Punkt ‚einwandfrei funktionierende Computertechnik‘ setzen. Ich schreibe dies mit einem gewissen Unbehagen, denn gleich zum Jahresanfang steht der Wechsel meines DSL-Anbieters an. Entgegen den vorherigen Absprachen, erfolgt die Umstellung ohne jede Begründung einen Monat später. Da am 1. Januar nicht gearbeitet wird, kann ich erst am 2. Januar mit dem Anschluss rechnen. Bislang habe ich noch keine Unterlagen über die notwendigen Zugangsdaten erhalten und bin gespannt darauf, ob sich die digitale Katastrophe im kommenden Jahr fortsetzen wird. Die Abhängigkeit von digitaler Technik für meine Tätigkeiten, die ich für meine Existenzsicherung noch für unabdingbar halte, könnte mich bei weiteren zeitaufwändigen und lähmenden Störungen dazu veranlassen, ganz neue Wege zu gehen. Vielleicht Taxi zu fahren oder Pizza auszuliefern, denn was nützen die schönsten Pläne, wenn die notwendigen Werkzeuge einfach nicht verlässlich zur Verfügung stehen und ihre Inbetriebhaltung dermaßen viel Energie verschlingt, dass zu wenig für den eigentlichen Verwendungszweck übrig bleibt? Ziehe ich eine Bilanz über das Jahr 2012, dann kann ich 14 Wochen als produktive Arbeitszeit abhaken. Sie waren durchtränkt mit Nötigungen seitens der Computertechnik. Sachzwänge nennt man sowas. Bevor man einen Text schreibt, muss der Computer sich dazu bereit erklären. Tut er es nicht, hat man erst das zu regeln und ob danach noch die gedankliche Leichtigkeit zum Formulierens vorhanden ist, kann ich aus meiner Erfahrung für viele Situationen verneinen.

Die Werbung überschwemmt uns mit Angeboten aus dem digitalen Sektor, von Smartphones, Digitalkameras, Notebooks, Tablets, E-Book-Reader, Speicherkarten bis hin zum Desktop-Computer und vieles mehr. Wir haben unterschiedliche Betriebssysteme und eine Vielzahl von Programmen, die konkurrierend nebeneinander stehen. Der Platzhirsch in der Bildbearbeitung, Layout- und Webprogrammen, das Unternehmen Adobe, bringt seine Programme mittlerweile in Versionen auf den Markt, die ungeheuer viel Speicherplatz auf den Festplatten benötigen. Gleiches macht Microsoft mit Windows 7 und kein User weiss, was diese wahnsinnige Menge von Codes und Dateien auf dem eigenen Computer macht. Immer mehr Programme laufen nur noch mit Internetverbindung. Die permanenten Mahnungen hinsichtlich irgendwelcher Updates sind einfach nur noch nervig. Gerade habe ich ein kostenloses Antiviren-Programm gegen einen bezahltes ausgetauscht, in der Annahme, dass mir nun diese furchtbaren Info-Einblendungen erspart bleiben. Doch die Meldungen, die nun auftauchen, sind inhaltlich völlig unverständlich und lenken sehr von der eigentlichen Arbeit ab. Sicherlich kann man dies teilweise ändern, indem man sich die Zeit nimmt, in der Konfiguration des neuen Antivirus-Programmes Änderungen vorzunehmen. Aber ich habe echt keine Lust dazu, weil ich ahne, dass dies lange dauern wird und nur neue Meldungen produzieren wird, die mich höchstwahrscheinlich darauf aufmerksam machen, dass ich eine unsichere Konfigurationsänderung vorgenommen habe. Seit einiger Zeit spiele mit dem Gedanken, einen alten Computer aus dem Keller hoch zu holen und wieder ein System basierend auf Windows 98 mit uralten Programmen aufzusetzen und dabei alle Update-Dienste komplett zu deaktivieren, was damals noch möglich war. Vielleicht kann man mit so einem Gerät unbeschwert surfen und mit dem Uraltprogramm Office 97 Texte schreiben. Sämtliche Updates dieses Office-Programms haben mir der Praxis nie etwas gebracht, abgesehen davon, dass neue Anwendungsformen zu lernen waren. Im Prinzip ist es mir völlig egal, wie viele Zig-Tausend Datensätze Access verwenden kann, selbst die Kapazität von Access aus Office 97  werde ich nie ausschöpfen.

Mein Vater hat einen 14 Jahre alten Dell Computer mit Windows 98, den ich ihm vor Jahren so eingerichtet habe, wie gerade beschrieben. Das Gerät ist noch nie ausgefallen und man Vater, der absolut keine Ahnung von Computertechnik hat, meldete noch nie irgend einen Ausfall oder eine Störung. Okay, mit dem Gerät kann ich keine Filme schneiden, aber Texte schreiben und im Internet surfen, geht damit einwandfrei in dem Rahmen, in dem dieses Gerät verwendet wird. Das waren noch Zeiten, als Computer keine Wegwerfgeräte waren, sondern solide Arbeitsgeräte ohne übertriebene Multimediafunktionen, die inzwischen mehr Probleme verursachen als einen zusätzlichen Mehrwert. Ich hatte mal einen Dell Precision 690 mit einem Xeon Prozessor. Die alte Kiste lief flott und völlig problemlos, aber ich habe sie abgestoßen, war es mir nicht gelang, die Geräuschkulisse, die von dem Gerät produziert wurde, auf ein erträgliches Maß zu senken. Vielleicht hätte ich es hartnäckiger probieren sollen, denn alle Geräte, die ich danach erwarb, war qualitativ minderwertiger, auch wenn sie von Markenherstellern stammten. Irgendwas ist/war immer und die häufigen Ausfälle traten urplötzlich ein, gerne dann, wenn es wirklich nicht passte, weil etwas zu erledigen war.

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