(Alte) Objektive für digitale Spiegelreflexkameras

In vielen Fotoausrüstungen befinden sich ältere Objektive, die an moderne DSLRs angeschlossen werden können. Kamerahersteller wie Pentax und Nikon werben damit, dass ihre alten Objektive an die Bajonette ihrer digitalen Spiegelreflexkameras passen. Welche ‚alten‘ Objektive sind heute noch brauchbar? Einige althergebrachte Unterscheidungsmerkmale bzw. Qualitätskriterien verlieren durch die Digitaltechnik an Bedeutung, weil geringe optische Fehler wie kissen- und tonnenförmige Verzeichnungen oder chromatische Aberrationen (Farbsäume) gut mit dem Computer kompensiert werden können. Derzeit ist ein Trend zur Automatisierung solcher Korrekturvorgänge erkennbar. Gleiches gilt für leichte diffuse Unschärfen und Mängel an der Bildbrillanz. Dagegen hilft die Unscharf-Maskierung. Sie verbessert die Detailwahrnehmung und den Schärfeeindruck.

Objektive für DSLRs
Objektive für DSLRs

Es ist möglich, das Verhalten der Objektive bei verschiedenen Brennweiten-, Entfernungs- und Blendeneinstellungen zu messen und Profile anzulegen, die exakt vermitteln, welche Fehler vorhanden sind. Die Werte der aktuellen Objektive werden allmählich seitens der Hersteller an die jeweiligen Softwareentwickler weitergereicht.

Auf der Website photoinfos.com sind diverse Berichte über Objektive zu finden: Objektivtests

Typische Bildfehler

Verzeichung, Vignettierung, Farbsäume -> siehe hier!

Zoom oder Festbrennweite?

Die Anforderungen an optische Systeme mit einer variablen Brennweite sind hoch. Sie sollen bei jeder Einstellung gute Ergebnisse ermöglichen. Eine relativ hohe Lichtstärke mit guter optischer Leistung über den gesamten Brennweitenbereich wird nur mit teuren und schweren Zooms realisiert, die nicht unbedingt freizeit- oder reisetauglich zu nennen sind. Einige moderne, kompakte, preisgünstige und lichtschwächere Zooms mit großem Brennweitenbereich liefern abgeblendet auf den Wert 8 und kleiner ganz passable Dateien. Ältere Zoomobjektive sind mit Vorsicht zu genießen, weil sie wahrscheinlich starke optische  Schwächen haben.

An einer digitalen Spiegelreflex ohne integrierte Reinigungstechnik für den Sensor ist der Objektivwechsel wegen des dabei möglichen Eindringens von Schwebeteilchen riskant.  Seit dem Erscheinen der Modelle mit einer kamerainternen Entstaubung des Sensors, gelten die alten Festbrennweiten mit 28mm, 35mm, 50mm bis 135mm als Geheimtipp. Auf den Gebrauchtmärkten ziehen die Preise dafür kräftig an, sofern die Optiken mit den Blendensteuerungen der digitalen Spiegelreflexkamera kompatibel sind. Das alte Pentax SMC-A 1,7/50mm Standardobjektiv hat bereits ab Blende 4 eine ausgezeichnete Bildschärfe über den gesamten Bildbereich. Ein besseres Zoom aus der Amateurklasse schafft das erst ab Blende 8. Das 1,7/50mm Pentax ist ab 50 Euro aus zweiter Hand zu haben. Für dieselbe Optik mit Autofokus verlangt der Gebrauchtmarkt das Dreifache.

Autofokus – ja oder nein?

Wenn er funktioniert, ist der Autofokus eine praktische Sache. Wer mitten im Gewusel einer quirligen Love-Parade die Kamera von Motiv zu Motiv richtet und interessante Szenen heranzoomt, mag ihn nicht missen. Mit etwas Übung gelingen solche Aufnahmen auch per Hand. Es gibt Fotografen, die grundsätzlich manuell fokussieren, auch wenn die Optik mit einem Autofokus ausgestattet ist. Das kann bei problematischen Motiven schneller gehen und ist oftmals präziser. Vor allem im Nahbereich und besonders bei selektiver Schärfeeinstellung. Ein Autofokus ist nicht immer zuverlässig und versagt gelegentlich total. Eine  Kamera löst ohne Autofokus schneller aus.

Die meisten digitalen Spiegelreflexkameras haben ein kleineres Sucherbild als traditionelle Kleinbildkameras. Zudem sind die Standard-Mattscheiben nicht primär als Fokussierhilfe gedacht. Wer das manuelle Scharfstellen schätzt, sollte sich zumindest eine Sucherlupe zulegen. Bei einem Vergrößerungsfaktor von 1,2 wird das sichtbare Bild um ca. 44% vergrößert. Trotz des gering anmutenden Faktors ist das Bild deutlich größer und wirkt heller. Das Scharfstellen per Hand oder die Kontrolle des Autofokus erfolgen sicherer. Es gibt hervorragende Objektive ohne Autofokus, solide gebaut mit sehr guter Optik und auf dem  Gebrauchtmarkt spottbillig erhältlich. Zudem sind Teleskope, Spektive, Mikroskope, Spiegelteleobjektive und andere optische Instrumente gut als Aufnahmeoptiken an den digitalen Spiegelreflexkameras verwendbar. Jedes Autofokusobjektiv sollte auch einen ordentlichen Drehring zum manuellen Fokussieren haben.

Vorsicht! Neue Objektive für kleine Sensoren

Zur Zeit erscheinen hochpreisige Objektive auf den Markt, die eigens für die kleineren Aufnahmesensoren entwickelt wurden. Pentax bietet das DA 21mm / 3,2 für 440 Euro an. Das ist ein Haufen Geld für eine nicht besonders lichtstarke Festbrennweite.  Für welchen Profi käme sie in Frage? Der verwendbare Bildkreis reicht nicht für das 24x36mm Format der Kleinbildkameras. Das Objektiv hat keinen Blendenring. Ist es ratsam, in solche Optiken zu investieren?

Die Entwicklung der Kameratechnik ist im vollen Gang. Auch wenn mit einer entsprechenden 4 Millionen Pixel-Datei ein  guter Din A4 großer Druck möglich ist, wird die Pixelzahl, die derzeit (2013) im anspruchsvollen Amateurbereich bei 20 Millionen Pixeln angekommen ist, weiter hochgetrieben. Man kann alle zwei Jahre mit einem weiteren Sprung rechnen, da die Pixelanzahl ein wichtiges Marketinginstrument ist. Für eine kräftige Erhöhung der Pixelmenge müssen die Sensoren größer werden, um eine Vermeidung von technischen Problemen aus der Verdichtung der Pixel zu bewirken. Aus heutiger Sicht ist es wahrscheinlich, dass digitale Spiegelreflexkameras, die sich von den mittlerweile sehr leistungsfähigen Kompaktknipsen und immer besser werdenden Handy-Kameras abheben müssen, bald mit besseren Sensoren ausgestattet werden, um ihre Überlegenheit zu behaupten. Dann war die Anschaffung der eigens für die kleinen Sensoren gerechneten Objektive, für die derzeit unglaublich hohe Summen  genannt werden, ein teurer Spass. Die Anschaffung eines guten Zooms mit kurzen Brennweiten, die in der KB-Fotografie unüblich sind, ist ok. Doch Festbrennweiten und Zooms ab 24mm sollten auch größere Formate bedienen können.

Preisbeispiele

Marke Bezeichnung Autofokus für Vollformat
(24×36)
Neupreis Zweite Hand
*
Pentax SMC DA 50-135 mm / 2,8 ED
x
nein
ab
800 €
Pentax SMC-A 28mm / 2,8
x
ab
60 €
Pentax SMC-A 50mm / 1,7
x
ab
50 €
Pentax SMC-FA 50mm/1,7
x
x
ab 150 €
Pentax SMC-FA 50mm/1,4
x
x
ab
260 €
ab 220 €
Pentax FA 31mm / 1,8
x
x
ab
850 €
Pentax SMC-A Macro 100mm / 4
x
ab 200 €
Sigma EX DC HSM 50-150mm / 2,8
x
nein
ab
500 €
Sigma EX 70-200mm / 2,8
x
x
ab
860 €
Tamron XR 28-300mm / 3,5-6,3
x
x
ab
270 €
ab 200 €

* guter Zustand bis neuwertig

Diese Preisunterschiede werfen die Frage nach dem praktischen Wert einer Optik auf.

Objektive vergleichen

Die Vergleiche von Objektiven sollen offenbaren, welche Optiken schlecht sind. Der Unterschied zwischen gut und sehr gut ist in der Praxis selten sichtbar. Andere Faktoren wie Verwackeln, leichte Mängel beim (Auto-)Fokussieren, Bewegung des Motivs etc. haben einen so großen Einfluss, dass eine wirklich überragende Qualität der Optik selten zum Tragen kommt.

Versuchen Sie mal aus der Nähe Blätter oder Gräser scharf zu fotografieren wenn ein wenig Wind weht! Sie bewegen sich innerhalb einer Sekunde um ein Vielfaches ihrer eigenen Größe mehrfach hin und her. Und das sogar im dreidimensionalen Raum. Die anvisierten Motive bleiben nicht im optimalen Schärfebereich. Um die Tiefenschärfe zu erhöhen, hilft Abblenden. Doch verlängern sich dadurch die Belichtungszeit und die Bewegungen des Fotografen und/oder des Motivs beeinflussen die Ergebnisse noch intensiver. Außerdem entfällt damit das Abheben eines scharfgestellten Motivs vor einem unscharfen Hintergrund. Es gibt kontrollierte Aufnahmesituationen, in denen mit einem hohen Aufwand optimale Aufnahmebedingungen erzeugt werden. Dann ist auch eine Verwendung von exzellent korrigierten Optiken sinnvoll.

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