Analoge Fotografie – Stand der Dinge

Dank einer Förderung aus dem Neustart-Topf konnte ich mich in letzter Zeit etwas ausführlicher mit dem aktuellen Stand der analogen Fotografie beschäftigen, um meine Kenntnisse zu aktualisieren. Dabei interessierten mich vor allem Trends und Prognosen hinsichtlich der Verfügbarkeit der fotochemischen Materialien und Kameras. Dazu recherchierte ich u.a. in Gruppen über die analoge Fotografie in sozialen Medien, las Artikel bei PetaPixel, in der PhotoPresse, bei Heise+ und untersuchte die Angebote der einschlägigen Händler für analoge Fotoprodukte sowie Mitteilungen der relevanten Hersteller.

Es gibt viele Neueinsteiger mit nur wenigen analogen fototechnischen Vorkenntnissen, die in den sozialen Medien gerne über ihre ersten Erfahrungen berichten und beispielsweise ihren ersten entwickelten Film vorstellen. Diese Gruppe ist neugierig, möchte Verschiedenes ausprobieren und sucht Anschluss an die relevante Internet-Community. Ausstellungen waren im Untersuchungszeitraum unbedeutend, was wohl den Pandemie-Regelungen geschuldet war. Die Zukunft wird zeigen, ob es daran lag.

Daneben fotografieren alte Hasen weiterhin oder wieder analog, um mit Kameras zu arbeiten, die früher als professionelles Equipment für Hobbyfotografen unerschwinglich waren. Alte Jugendträume werden damit verwirklicht. Dieser Personenkreis hat überwiegend auch sehr gute digitale Kenntnisse und entsprechendes Equipment. Alte und neue Techniken werden parallel verwendet.

Aus verschiedenen Gründen ist die analoge Fotografie für manche attraktiv. Einerseits fasziniert die alte Technik. Sie steht nicht mehr in Konkurrenz zur digitalen Fotografie, die durch Perfektion und Allgegenwärtigkeit selbstverständlich geworden ist. Die Erwartung an analoge Fotos ist völlig unterschiedlich. Ältere Fotografen streben mit bester Technik und Fachwissen mit modernen Filmen und Entwicklern nach höherer Bildqualität, während jüngere eher das imperfekte Bild anstreben mit ausgeprägtem Korn, Unschärfe und Farbstichen. Für sie ist die analoge Kamera ein cooles Lifestyle-Accessoire.

Wer heute noch fotochemische Produkte herstellt, ist nur unscharf erkennbar. Eastman Kodak ist der führende Hersteller von Farbfilmen, liefert aber beängstigende Geschäftsberichte mit hohen Minuszahlen ab, die nichts Gutes verheißen. Fujifilm hat seine Produktpalette immer mehr verkleinert. Ferrania in Italien gelang der Neustart bisher nicht. Harmann und Foma sind stabile Produzenten von Schwarzweißmaterialien. In Deutschland ist das Unternehmen Adox ganz rege.  Die Preise sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Filme werden immer teurer und der Diafilm ist mit 20 € pro Kleinbildfilm für viele inzwischen zu teuer. Orwo steht vor einem Comeback. Ab Juni 2022 soll wieder ein größeres Angebot an Schwarzweißfilmen bereitstehen. Auch wird gemunkelt, dass ein Farbfilm in Aussicht sei.

Bei diversen Marken ist bekannt, dass sie zu Anbietern gehören, die Produkte nicht herstellen, sondern von verschiedenen Herstellern beziehen. Prognosen über den weiteren Bestand eines erschwinglichen Angebotes fotochemischer Aufnahmematerialien sind schwierig, weil veränderliche Umweltauflagen und Nachfragevolumen die Verfügbarkeit von Bestandteilen für Rezepturen beeinflussen. Eine nachhaltige Produktion kann nur gewährleistet sein, wenn solche Änderungen kompensiert werden können und Kunden bereit sind, die entsprechenden Preise zu bezahlen. Die unsichere Lage der letzten Jahre hat dazu geführt, dass viele analoge Fotografen Hamsterkäufe tätigten und für viele Jahre mit Fotomaterial, das sie gekühlt aufbewahren, versorgt sind. Diese Leute unterstützen Hersteller weniger durch neue Käufe. Im Gegenteil, sie verkaufen nicht unbeträchtliche der gehorteten Filmmengen sogar, weil die Preise so sehr gestiegen sind. Filme haben sich als lukrative Wertanlage erwiesen.

Die Hersteller müssen deshalb vor allem jüngere Leute aktivieren, die solche Vorräte nicht haben, aber andererseits viel mehr Geld für Filme bezahlen müssen. Ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten.

Analoge Kameras werden gebraucht gekauft. Die Preise für attraktive Modelle steigen. Durch den Krieg in der Ukraine ist einer der wenigen noch interessanten Produzenten, nämlich Arax in Kiew, in Bedrängnis geraten. Es gibt einige Hersteller, die neue Laufbodenkameras für Planfilme bauen. Weiterhin haben analoge Fotografen den 3-D-Druck entdeckt. Sie teilen auf Plattformen im Internet die nötigen Dateien, die man zum Druck verschiedener Ersatzteile, Entwicklereinsätze und sogar zum Bau von 4×5 Inch Kameras benötigt. Diese Entwicklung steht erst am Anfang, wird aber an Gewicht zunehmen.

Ein Gedanke zu „Analoge Fotografie – Stand der Dinge

  1. Reaktion auf Facebook: „Kurze Verständnisfrage, wieso hat es für diesen Artikel Fördermittel gebraucht? …“

    Antwort:

    Die Fördermittel sind nicht dafür bezahlt worden, dass dieser Artikel entstand. Sie wurden für eine Recherche mit einer bestimmten Zielstellung bereit gestellt. Die Mittel gab es aus Töpfen für coronabedingte Auftragsausfälle im Kulturbereich, wie sie auch in viele anderen Bereichen ausgeschüttet wurden. Am Ende solcher Projekte ist üblicherweise ein kurzer Sachstandsbericht abzuliefern.

    Wenn der Inhalte enthält, die für eine Öffentlichkeit interessant sein könnten, wäre es schade die betreffenden Zeilen nur als Binärcode im Speicher der Geldgeber zu belassen.

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