
In der aktuellen Ausgabe der c’t Fotografie (2026-5) ist mein zwölfseitiger Artikel über Alternativen zu Adobe Photoshop erschienen. Viele Nutzer sind vom Abo-Modell und den unzähligen Hintergrunddiensten der Adobe Cloud genervt, die selbst dann aktiv sind, wenn kein einziges Adobe-Programm läuft. Das Konzept hat bei vielen Anwendern die Schmerzgrenze erreicht. Sie suchen nach Software, die lokal, offline und ohne Kontozwang läuft.
Dass sich der Softwaremarkt durch KI-Hilfe rasant verändert, war mir beim Schreiben klar. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass in Kürze die Bildbearbeitung GIMP die Kurve kriegt, um wie Photoshop zu funktionieren.
Doch vor zwei Wochen tauchte auf GitHub plötzlich ein völlig neues Projekt auf: PhotoCraft.
Die Entwickler nutzen moderne Ansätze, um eine blitzschnelle, native Photoshop-Alternative von Grund auf in Rust nachzubauen. Und zwar nicht nur für Windows und macOS, sondern nativ auch unter Linux. Das Projekt legt ein irres Tempo vor. Fast täglich erscheinen neue Builds. Die portable aktuelle Version 0.10 verbraucht gerade einmal schlanke 175 MB Platz.

Adobe wird hier juristisch kaum eine Abwehr ansetzen können. PhotoCraft ist ein reines, dezentrales Open-Source-Projekt ohne Gewinnabsichten, getragen von privaten Entwicklern. Und die Reise geht weiter. Das Team bietet bereits Klone für Premiere Pro (FilmCraft), Acrobat (PDFCraft) sowie Alternativen zu Microsoft Word und Excel an.
Zwar steckt PhotoCraft noch in der Alpha-Phase und die Anbindung von Plugins fehlt noch, aber für viele Workflows ist es jetzt schon überraschend gut nutzbar. Wer Cloud- und KI-Features benötigt, die von externen Rechenzentren geliefert werden, kann diese über Schnittstellen kostenpflichtig zubuchen.
Diese Entwicklung wird den Softwaremarkt in den nächsten zwölf Monaten komplett umkrempeln. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und lässt sich nicht mehr schließen. Wahrscheinlich werden wir bald auch eine schlanke Windows Alternative sehen.
Link zum Projekt: https://github.com/storytold/photocraft