
2025 beendete Epson offiziell den Vertrieb seiner filmtauglichen Flachbettscanner weil Bauteile wie die CCD Scanzeile nicht mehr verfügbar waren. Zwar werden weiterhin dedizierte Filmscanner für Kleinbild und teilweise auch Mittelformat angeboten, etwa von Herstellern wie Plustek oder Pacific Image Electronics, doch die beliebten Flachbettscanner mit Durchlichteinheit von Epson sind derzeit vom Neugerätemarkt verschwunden.
Für Fotografen, Archive, Sammler und Museen stellt sich damit die Frage: Wie lassen sich größere analoge Vorlagen wie Mittelformat, Planfilm oder komplette Negativ- und Diahüllen künftig effizient digitalisieren?
Gerade hier lag die besondere Stärke filmtauglicher Flachbettscanner. Durch ihre große Scanfläche konnten nicht nur einzelne Negative, sondern auch ganze Filmstreifen oder großformatige Vorlagen in einem Arbeitsgang erfasst werden. Diese Flexibilität ist durch klassische Filmscanner nicht ersetzbar. Die kurze Antwort lautet: Es gibt wohl keine direkte Nachfolgegeneration dieser Geräteklasse.
Geschichte
In den 1990er-Jahren stellten die großen Fotolabore ihre Herstellung von Fotoabzügen schrittweise vom klassischen analogen Verfahren auf digitale Arbeitsabläufe um. Davon versprach man sich eine höhere Effizienz und eine bessere Bildqualität. Dias und Negative wurden gescannt, und jedes Bild konnte anschließend automatisch individuell optimiert werden. Dadurch ließen sich Fotos brillanter wiedergeben, mit einer deutlich besseren Zeichnung in Lichtern und Schatten.
Staub und Kratzer
Gleichzeitig entdeckte man, dass sich Staub, Kratzer und andere Oberflächendefekte mit Infrarotlicht besonders gut sichtbar machen lassen. Dieses Prinzip machte man sich zunutze. Die eigentlichen Bildinformationen wurden über die Rot-, Grün- und Blaukanäle (RGB) erfasst, zusätzlich entstand jedoch ein Infrarotkanal, der nahezu ausschließlich die Oberflächenfehler enthielt. Die Bildbearbeitungssoftware konnte dadurch erkennen, welche Bildbestandteile lediglich Staub, Kratzer oder Fingerabdrücke waren und diese automatisch entfernen.
Ähnlich wie beim Photoshop-Werkzeug Inhaltsbasiertes Füllen wurden die verdeckten Bildbereiche durch Interpolation aus den umliegenden Pixeln rekonstruiert. Damit wurde erstmals eine praxistaugliche, weitgehend automatische Retusche von Staub und Kratzern möglich. Das Verfahren funktioniert allerdings nicht bei klassischen Silber-Schwarzweißfilmen und nur eingeschränkt bei Kodachrome.
Das texanische Unternehmen Applied Science Fiction war Ende der 1990er-Jahre führend bei der Entwicklung entsprechender Verfahren zur infrarotgestützte Defektkorrektur, beherrschte aber auch die Korrektur von Farbstichen. 1998 stellte es Digital ICE vor, ein automatisches Verfahren zur Entfernung von Staub, Kratzern, Fingerabdrücken, Papierfasern und anderen physischen Bildstörungen. Die Technologie wurde rasch von den Herstellern hochwertiger Filmscanner übernommen. Aus Marketing- oder Lizenzgründen tragen vergleichbare Verfahren bei anderer Software andere Namen: SilverFast nennt die Funktion iSRD, VueScan spricht schlicht von einer Infrarot-Reinigung. Filmscanner für den Heimgebrauch von Acer, Minolta und insbesondere Nikon wurden mit Software ausgeliefert, die Digital ICE enthielt.



Um das Jahr 2000 stellte diese Technik für damalige Computer jedoch eine erhebliche Herausforderung dar. In den Scannertests wurden deshalb bei Nutzung von ICE auf lange Scanzeiten verwiesen. Die zusätzliche Bildanalyse und Retusche verlängerte die Bearbeitungszeit eines einzelnen Bildes häufig um mehrere Minuten. Mit besseren Computern ab 2012 ist dieser Aufwand seit vielen Jahren kaum noch wahrnehmbar; vergleichbare Berechnungen erfolgen nahezu in Echtzeit.
Bemerkenswert ist, dass die wesentlichen Verfahren zur Verarbeitung hochwertiger Scandaten bereits zwischen 1996 und 2004 entwickelt wurden, obwohl die verfügbare Leistung der üblichen PCs damals kaum für effizientes Arbeiten ausreichte. Von 2003 bis 2010 wurde mit dem Nikon Coolscan 5000 ED wohl der beste serienmäßig produzierte Kleinbildscanner angeboten, der immer noch als Referenz gilt. 2007 stellte Nikon jedoch die Weiterentwicklung seiner Software Nikon Scan ein. Die digitale Fotografie hatte die analoge Fototechnik inzwischen weitgehend verdrängt. Neue Kameras, Speicherkarten und Bildbearbeitungsprogramme bestimmten den Markt und auch die Interessen der Nutzer.
Der Bedarf an hochwertigen Scannern blieb dennoch bestehen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts waren Milliarden von Fotos auf Papier, Glasplatten sowie auf transparenten Filmen entstanden. Museen, Archive, wissenschaftliche Einrichtungen, Fotografen, Verlage und Privatpersonen standen vor der Aufgabe, diese Bestände zu digitalisieren. Damals war dies jedoch wegen der vergleichsweise langsamen Computer und der noch teuren Massenspeicher ein mühsamer und zeitaufwendiger Prozess.
Zwischen etwa 2002 und 2010 verschwanden zahlreiche traditionsreiche Scannerhersteller vom Markt. Dazu gehörten Agfa, Polaroid, Minolta und Nikon. Übrig blieben vor allem preisgünstigere Geräte taiwanischer Hersteller wie Plustek oder Pacific Image Electronics, deren Scanner teilweise unter Marken wie Braun, Kodak oder Reflecta angeboten werden.
Neben speziellen Filmscannern konnten auch Flachbettscanner transparente Vorlagen digitalisieren. Dazu verfügten sie im aufklappbaren Deckel über eine Durchlichteinheit. In den 1990er-Jahren waren Geräte von Agfa, Umax, Microtek sowie Linotype Hell/Heidelberg weit verbreitet. Für höchste Ansprüche existierten professionelle Flachbettscanner von Scitex, später Kodak und anschließend Creo. Diese High-End-Geräte waren allerdings nur in professionellen Produktionsumgebungen mit entsprechendem Budget anzutreffen.
Epson
Nach der Jahrtausendwende entwickelte sich jedoch Epson zum wichtigsten Hersteller dieser Gerätekategorie.

2003 erschien der Epson Perfection 3200 Photo. Mit seinem Preis von rund 500 Euro bot er eine für diese Klasse außergewöhnlich hohe Auflösung und war damit ausgesprochen attraktiv. Bereits 2004 folgte der Epson Perfection 4870 Photo mit größerer Durchlichteinheit und erstmals integrierter Digital-ICE-Technik. Neben den RGB-Kanälen erzeugte er einen Infrarotkanal, sodass Staub, Kratzer und Fingerabdrücke automatisch erkannt und entfernt werden konnten.
2006 erschien der Epson Perfection V750 Pro mit nochmals gesteigerter Auflösung. 2014 folgte der nahezu baugleiche Epson Perfection V850 Pro. Die wichtigste technische Änderung bestand im Austausch der Leuchtstoffröhren gegen LEDs; die optische Auflösung blieb unverändert. Einen wirklichen Technologiesprung stellte das Modell daher nicht dar.
Bemerkenswert ist außerdem, dass Epson in der Perfection-Serie niemals einen Autofokus integrierte. Gerade bei der Digitalisierung feiner Details ist eine exakte Fokussierung entscheidend, um die theoretisch mögliche Auflösung tatsächlich zu erreichen. Stattdessen mussten Anwender die Höhe der Filmhalter mit Distanzplättchen experimentell anpassen. Angesichts der damals längst verfügbaren Autofokustechnik erscheint diese Entscheidung heute schwer nachvollziehbar.
2025 stellte Epson sowohl den Vertrieb des Epson Perfection V850 Pro als auch seines professionellen Spitzenmodells Epson Expression 13000 XL ein. Als Grund wurde angegeben, dass die verwendeten CCD-Scanzeilen nicht mehr produziert würden.
Auflistung relevanter filmtauglicher Flachbettscanner von Epson
DIN A4 Scanner
| Modell | Schnittstellen | Max. optische Auflösung | Produktionszeitraum |
| Epson Expression 1600 Pro | SCSI | max. 1600 dpi | 2000 – 2001 |
| Epson Expression 1680 Pro | SCSI | max. 1600 dpi | 2001 – 2004 |
| Epson Perfection 3200 Photo | USB / FireWire | max. 3200 dpi | 2003 – 2004 |
| Epson Perfection 4870 Photo (erstmals mit ICE) |
USB / FireWire | max. 4800 dpi | 2004 – 2005 |
| Epson Perfection 4990 Photo | USB / FireWire | max. 4800 dpi | 2005 – 2006 |
| Epson Perfection V750 Pro | USB / FireWire | max. 6400 dpi | 2006 – 2014 |
| Epson Perfection V850 Pro | USB | max. 6400 dpi | 2014 – 2025 |
Din A3
Epson Expression: Professionell, teuer, mit Autofokus, aber ohne ICE.
| Modell | Schnittstellen | Max. optische Auflösung | Produktionszeitraum |
| Epson Expression 10000XL Pro | USB / FireWire | max. 2400 dpi | 2004 – 2013 |
| Epson Expression 11000XL Pro | USB | max. 2400 dpi | 2013 – 2017 |
| Epson Expression 12000XL Pro | USB | max. 2400 dpi | 2017 – 2023 |
| Epson Expression 13000XL Pro | USB | max. 2400 dpi | 2023 – 2025 |

Damit endete endgültig die Ära hochwertiger filmtauglicher Flachbettscanner. Seit 2025 sind praktisch keine entsprechenden Neugeräte mehr erhältlich. Das ist bedauerlich, denn bislang ist keine gleichwertige Alternative in Sicht.
Hinzu kommt, dass die Hersteller ihre Scansoftware seit Jahren kaum noch pflegen. Einige der besseren Epson-Scanner lassen sich mit der Originalsoftware unter Windows 10 oder Windows 11 nicht mehr betreiben. Abhilfe schafft die universelle Scansoftware VueScan. Für viele Geräte ist außerdem SilverFast verfügbar, dessen Anschaffung allerdings vergleichsweise teuer ist.
Ist das wirklich ein Problem? Schließlich liegt das Digitalisieren mit der Digitalkamera im Trend und wird in vielen Erfahrungsberichten positiv bewertet. Das ist durchaus berechtigt. Insbesondere bei Planfilm und größeren Formaten liefern hochwertige Flachbettscanner jedoch oft mehr Bildpunkte als heute übliche Digitalkameras. Hinzu kommt die ICE-Technik, mit der Staub und Kratzer automatisch erkannt und entfernt werden können.
Ein vergleichbares Verfahren lässt sich auch mit einer Digitalkamera realisieren, deren Infrarotsperrfilter entfernt wurde. Allerdings entstehen dabei keine Vierkanal-Dateien. Stattdessen sind zwei Aufnahmen erforderlich, eine für RGB und die andere für Infrarot mit unterschiedlicher Beleuchtung oder Filtern, die anschließend miteinander verrechnet werden müssen. Auch muss die Optik so korrigiert sein, dass die Fokussierung von Blau bis Infrarot stimmt. Das ist bei vielen Fotoobjektiven aber nicht der Fall.
Technisch ist das durchaus lösbar, doch derzeit existieren keine speziell dafür entwickelten Kameras mit entsprechender Firmware.

Möglicherweise setzt die Branche künftig auf KI-Verfahren, um Staub und Kratzer direkt aus den Bilddaten zu erkennen. Bislang gibt es dafür jedoch noch keine bessere Lösung als das Polaroid Dust and Scratch Removal Utility aus 2002. Wenn Menschen Staub und Kratzer sofort erkennen, müsste man das auch einer Maschine beibringen können.
Ich selbst verwende einen Epson Expression 10000 XL (DIN A3, 2400 dpi, Autofokus), um hochauflösende digitale Kontaktabzüge zu erstellen. Obwohl die teure Expression-Serie dank ihres Autofokus trotz ihrer nominellen Auflösung von lediglich 2400 dpi eine sehr hohe tatsächlich messbare Auflösung erreicht, besitzt sie keine ICE-Funktion. Angesichts eines Gerätepreises von mehreren tausend Euro ist das schwer zu erklären.
Allerdings erzeugt bereits eine 2400-dpi-Aufnahme einer etwa DIN-A4-großen Negativhülle im 48-Bit-TIFF-Format eine Datei von rund 3 GB. Ein zusätzlicher Infrarotkanal sowie die automatische Staub- und Kratzerretusche würden die Anforderungen an Scanner und Rechner erheblich steigern. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenigstens das letzte Modell, den Expression 13000 XL, mit einer solchen Funktion auszustatten. Moderne Computer verfügen heute über ausreichend Rechenleistung und Arbeitsspeicher, um diese Aufgaben zu bewältigen.
Rückblick und Prespektive
Zwischen etwa 1995 und 2005 entstanden nahezu alle entscheidenden Innovationen der Filmscannertechnik: hochwertige CCD-Scanzeilen, Digital ICE, Mehrfachbelichtung, Farbkalibrierung, hohe Dynamik, leistungsfähige Optiken und bei professionellen Geräten sogar Autofokus. Seitdem hat sich diese Technik kaum noch weiterentwickelt, sieht man vom Ersetzen früherer Leuchtquellen durch LEDs ab.
Als Neugeräte sind sie heute faktisch nicht mehr verfügbar. Dennoch bedeutet dies nicht, dass die vorhandene Technik ihren Wert verloren hat.
Im Gegenteil: Viele dieser Scanner sind gebraucht gut erhältlich und können weiterhin zuverlässig eingesetzt werden. Ihre technische Leistungsfähigkeit bleibt in weiten Teilen unverändert, da die entscheidenden Innovationen bereits in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren realisiert wurden. Damit stellt sich weniger die Frage nach Ersatz, sondern vielmehr nach geeigneten Betriebsumgebungen.
Ein oft übersehener, aber sehr praktikabler Ansatz ist der Einsatz älterer PCs oder Business-Laptops als dedizierte Scanner-Controller. Geräte aus der Mitte der 2000er-Jahre verfügen häufig noch über Schnittstellen wie PCMCIA oder ExpressCard, über die sich beispielsweise SCSI-Controller problemlos betreiben lassen. Damit können auch ältere Filmscanner wie der Nikon LS-2000 oder verschiedene Agfa-Flachbettscanner weiterhin genutzt werden. Mein Favorit dafür ist der Dell Latitude D830 mit Windowx XP.
Solche Systeme sind in vielen Fällen sogar besonders geeignet, da ihre Rechenleistung für die Scanaufgabe mehr als ausreichend ist. Moderne SSDs beschleunigen Datenzugriffe zusätzlich, sodass der Computer nicht mehr der limitierende Faktor ist. Der eigentliche Flaschenhals ist in diesen Fällen ausschließlich der mechanische Scanvorgang selbst.
Für reine Scanaufgaben ist zudem keine Internetverbindung erforderlich. Wird der Rechner ausschließlich als dedizierte Arbeitsstation genutzt und der Datentransfer über externe Speichermedien durchgeführt, entsteht eine stabile und vollständig kompatible Umgebung ohne Sicherheitssorgen. Das hohe Alter eines Betriebssystems spielt deshalb auch keine Rolle.
Ein solcher Ansatz ist insbesondere bei SCSI-basierten Systemen von Vorteil, da viele dieser Lösungen auf ältere Treiberarchitekturen angewiesen sind, die unter 64-Bit-Betriebssystemen nicht mehr unterstützt werden. In solchen Fällen bleibt ein System auf Basis von Windows XP oder vergleichbaren älteren Betriebssystemen oft die einfachste und stabilste Lösung. Ensprechende ISO-Dateien zur Installation mit allen Updates gibt es im Internet.
Parallel dazu hat sich die Digitalisierung mit Digitalkameras als Alternative etabliert. Diese Methode bietet hohe Flexibilität und sehr gute Ergebnisse, insbesondere bei großen Filmformaten wie Mittelformat oder Planfilm. Dennoch ersetzt sie bestimmte Funktionen klassischer Filmscanner nicht vollständig. Insbesondere die hardwarebasierte Staub- und Kratzerentfernung mittels Infrarotkanal bleibt ein Vorteil dedizierter Scanner.
Zwar lassen sich ähnliche Ergebnisse theoretisch auch mit modifizierten Kamerasystemen erzielen, etwa durch Entfernen des IR-Sperrfilters und getrennte Aufnahmen für RGB und Infrarot. In der Praxis fehlen jedoch spezialisierte Systeme, die diesen Workflow vollständig integriert und effizient unterstützen. Auch KI-basierte Verfahren zur Erkennung von Staub und Defekten befinden sich noch nicht auf einem Niveau, das die Zuverlässigkeit eines echten Infraralkanals vollständig ersetzt.
Damit ergibt sich ein differenziertes Bild: Die Produktion neuer filmtauglicher Flachbettscanner ist weitgehend zum Stillstand gekommen, die vorhandene Technik bleibt jedoch weiterhin nutzbar. Wer bereits über entsprechende Geräte verfügt oder sie gebraucht erwirbt, kann mit vergleichsweise einfachen Mitteln, etwa durch den Einsatz älterer, spezialisierter Rechner Kompatibiltätsprobleme überwinden.
Die Zeit der aktiven Weiterentwicklung dieser Gerätekategorie scheint damit beendet. Ihre praktische Nutzung hingegen ist es nicht. Solange keine gleichwertigen alternativen Verfahren zur zuverlässigen, physikalisch gestützten Defekterkennung existieren, bleibt insbesondere der klassische Filmscanner in bestimmten Anwendungen weiterhin überlegen.