
Balgengeräte sind in der Fotografie nach wie vor nützliche Werkzeuge, besonders wenn es darum geht, im Nah- und Makrobereich zu arbeiten. Sie ermöglichen den Einsatz von Objektiven, die an modernen Systemkameras sonst kaum noch genutzt werden, wie etwa Repro- und Vergrößerungsobjektive aus dem klassischen Fotolabor oder ältere Linsen mit M39- oder M42-Gewinde. Viele dieser Objektive wurden speziell für die Makrofotografie entwickelt und liefern auch an hochauflösenden Digitalkameras beeindruckende Ergebnisse.
Weniger attraktiv sind hingegen Balgengeräte, die auf ein bestimmtes Kamerabajonett festgelegt sind. Die meisten stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurden für analoge Spiegelreflexkameras konstruiert. Einige funktionieren zwar noch an digitalen Spiegelreflexkameras, doch diese wurden inzwischen weitgehend von spiegellosen Systemkameras mit neuen Bajonetten abgelöst. Dadurch sind viele ältere Balgenlösungen ohne zusätzliche Adapter kaum noch nutzbar. Deutlich flexibler sind Balgengeräte mit M42-Anschluss, für den es günstige Adapter für nahezu alle modernen Kamerasysteme gibt. Auf Autofokus und automatische Blendensteuerung muss man dabei allerdings meist verzichten. Daher eignen sich solche Geräte vor allem für statische Motive wie Briefmarken, Dias oder Negative – weniger für bewegte Szenen.
Es gibt jedoch Ausnahmen: Novoflex bietet sogenannte Automatik-Balgengeräte an, bei denen zwei per Kabel verbundene Zwischenringe die elektronische Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv aufrechterhalten. Nach dem groben Einstellen von Balgenauszug und Motivabstand kann der Autofokus im Idealfall noch Feinkorrekturen übernehmen. Diese Technik hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Die hohe Bildqualität moderner Objektive beruht nicht nur auf ihrer tatsächlichen Abbildungsleistung , sondern erfordert softwarebasierte Korrekturen ihrer optischen Fehler. Dafür benötigt die Software in der Kamera oder ein RAW-Konverter präzise Fehlerprofile für das betreffende Objektiv. Die eingestellte Entfernung ist dabei ein wichtiger Faktor, dieser Wert wird beim Einsatz eines Balgengeräts nicht mehr korrekt übermittelt; er kann sogar stark von der betreffenden Exif-Info abweichen. Die automatische digitale Fehlerkorrektur arbeitet dann mit falschen Werten, weil der zusätzliche Auszug nicht berücksichtigt wird. Angesichts eines Preises von über 800 € und der Bindung an ein einzelnes Kamerasystem stellt sich die Frage, ob ein spezielles Makroobjektiv in Kombination mit einem Telekonverter nicht die sinnvollere Investition wäre.
Aus meiner Sicht spielen Balgengeräte ihre Stärken vor allem mit Objektiven ohne Autofokus oder automatischer Blendensteuerung aus. Viele Festbrennweiten zwischen etwa 28 und 100 mm liefern in Retrostellung – also umgekehrt montiert, mit der Rücklinse nach vorne – erstaunlich gute Makroergebnisse, besonders bei Abbildungsmaßstäben jenseits von 1:1. Der Anschluss erfolgt dabei am einfachsten über einen M42-auf-Filtergewinde-Adapter. Besonders geeignet sind ältere Objektive mit eigenem Blendenring; bei modernen Linsen wäre man sonst auf teure elektronische Zwischenringe angewiesen, um die Blende während der Aufnahme schließen zu können.
In den vergangenen Jahren habe ich mehrere Balgengeräte ausführlich beschrieben, die Artikel überarbeitet und zu einer Serie zusammengefasst. Ein Index führt zu weiteren Beiträgen und detaillierten Informationen. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet meine Beschreibungen und zahlreiche Beispielbilder auf photoinfos.com: Alles über Balgengeräte
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