Berlin. Glücklicherweise schien die bereits tief stehende Sonne, auch wenn eine dünne Bewölkung über der Stadt lag. Die Beobachtung begann am offenen Küchenfenster, allerdings musste ich zwischendurch den Standort wechseln, weil ein Hausdach irgendwann die Sicht versperrte. Ich konnte in den 4. Stock ausweichen, wo ein Balkon länger einen unverstellten Ausblick bot.

Fotografiert wurde mit einem 80 mm TS Photoline ED-Refraktor bei 560 mm Brennweite, kombiniert mit einem 1,5-fach-Telekonverter und einer Pentax K-70 (APS-C-Sensor). Daraus ergab sich eine effektive Brennweite von etwa 840 mm. Zwischen Refraktor und Telekonverter kam zusätzlich ein Flattener zum Einsatz. Dieser wäre zwar nicht zwingend erforderlich gewesen, da die Sonne fast ausschließlich im Zentrum des Bildfeldes lag, schadete aber auch nicht.
Das Teleskop war auf einer Vixen-Porta-Montierung und einem schweren Linhof-Stativ montiert, welches die Last mühelos und stabil trug. Dank der absoluten Windstille waren Verwacklungen kein Thema. Um Erschütterungen völlig auszuschließen, wurde die Kamera per Infrarot-Fernauslöser mit aktivierter Spiegelvorauslösung bedient.

Bei 840 mm Brennweite wird die Sonne auf dem APS-C-Sensor bereits recht groß abgebildet. Dies erlaubt eine detaillierte Darstellung der Mondkante und der Sonnenoberfläche, ohne dass die Sonnenscheibe das Bildfeld sprengt. Für eine Finsternis ist das eine gute Kombination. Die Sonne ist groß genug für Details und lässt dem umgebenden Himmel aber noch genügend Raum.
Die Grenze der Detailauflösung setzte an diesem Abend allerdings nicht die Technik, sondern die Atmosphäre. Durch den tiefen Stand der Sonne war der Lichtweg durch die Luftschichten sehr lang, was zu sichtbarem Flimmern (Seeing) und wechselnder Bildschärfe führte.
Eigentlich hätte ich für dieses Setup meine Nikon J5 bevorzugt. Ihr kleinerer CX-Sensor (13,2 × 8,8 mm) bietet mit 20 Megapixeln eine hohe Pixeldichte. Damit lässt sich das Bild des Refraktors schon bei der nativen Brennweite von 560 mm fein genug auflösen. Telekonverter und Flattener sind überflüssig. Für mich gilt in der Astrofotografie: Je weniger Glas im Strahlengang, desto besser. Zudem bietet die spiegellose J5 echte Praxisvorteile, da das Display im Gegensatz zur DSLR von Pentax permanent aktiv ist und kein Spiegelerschütterungen das Bild gefährden.

Ein weiterer Pluspunkt wäre das „Austricksen“ des Seeings per Video gewesen. Die Nikon J5 nimmt 4K-Videos mit 15 Bildern pro Sekunde auf. Eine zweisekündige Sequenz liefert rund 30 Einzelbilder. Die Frames werden gestackt, um die atmosphärischen Verformungen herauszurechnen. Bei der tief stehenden Sonne hätte das bessere Bilder geliefert.
Da der passende Adapter für die Nikon J5 jedoch nicht zu Hause lag, musste die Pentax K-70 mit dem Kenko-1,5×-Telekonverter einspringen. 4K-Video? Fehlanzeige. Aber egal, am Ende sind trotzdem einige sehr schöne Aufnahmen gelungen.